Erst auslösen, später fokussieren

Aktuelles Update vom 5. April 2012:

Lytro liefert seit Ende Februar die ersten Lichtfeldkameras auf. Im Moment wird die Kamera nur in den USA verkauft – und trotzdem übersteigt die Nachfrage die von Lytro produzierten Stückzahlen. Die Lichtfeldkamera ist auf “back order”, man muss sich also etwas gedulden.

Die ersten US Kameras sollten schon bald bei Amazon.de oder Ebay.de im Angebot sein. Auf eBay gibt es schon tolle Bietergefechte und deutlich höhere Preise…

Es gibt im Moment noch keine konkreten Pläne von Lytro für eine Markteinführung in Deutschland.

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Drei Lichtfeldkameras Front

Mit der Lytro Lichtfeldkamera haben Fotografen eine Ausrede weniger, warum sie den perfekten Moment verpasst haben.

Was unterscheidet eine Lichtfeldkamera von einer normalen Kamera?

Eine Lichtfeldkamera hat einen Bildsensor, der hinter einem speziellen Linsengitter („microlense array“) liegt. Die vielen Linsen des Gitters lassen nicht einzelne Lichtpunkte auf den Sensor fallen, sondern erweitern jeden Lichtpunkt zu einem Kreis. Eine Software kann aus diesen Daten dann – nach der Aufnahme – eine Vielzahl von unterschiedlichen Fotos berechnen.

Lichtfeldkamera Bild Test

Was sind die Vorteile einer Lichtfeldkamera?

  1. „Living Pictures“ – der Fokuspunkt kann nachträglich geändert werden
    Der Benutzer kann jedes einmal gemachte Foto beliebig scharstellen. Egal ob das ganze Bild scharf sein soll oder man sich Unschärfe für bestimmte Bildbereiche wünscht, alles kann nachträglich „neu“ fokussiert werden.
  2. Höhere Geschwindigkeit
    Eine normale Kamera (digital oder analog) benötigt immer etwas Zeit, um ein Motiv zu fokussieren. Da eine Lichtfeldkamera nicht fokussieren muss, entgeht dem Benutzer keine Möglichkeit zum perfekten Schnappschuss.
  3. Hohe Lichtempfindlichkeit
    Die Lytro Lichtfeldkamera soll hervorragende Ergebnisse selbst bei wenig Licht liefern.
  4. 3-D Funktionalität
    Aus den umfangreichen Bilddaten sollen sich auch 3-D-Bilder berechnen lassen. Nach Angaben von Lytro sollen selbst Perspektivänderungen machbar sein, obwohl es hierfür noch keinerlei Beispielsfotos gibt.

Funktionsweise

Der Gründer von Lytro, der US-Chinese Ren Ng, beschrieb die Funktionsweise einer Lichtfeldkamera in seiner Doktorarbeit, die er 2006 an der Standford University einreichte. Doch die Idee einer Lichtfeldkamera ist schon deutlich älter und setzt an einem der großen Nachteile konventioneller Kameras an.

Eine konventionelle Kamera macht nämlich nur ein 2-dimensionales Bild. Eine Lichtfeldkamera nimmt ein 4-dimensionales Bild (das sogenannte Lichtfeld) auf. Während eine konventionelle Kamera nur die Positionsdaten und Lichtintensität auf den Film oder Sensor bannt, registriert eine Lichtfeldkamera noch zusätzlich die Richtung, aus der der aufgenommene Lichtstrahl eingefallen ist. Dies ist möglich mit Hilfe eines speziellen Mikro-Linsen-Gitters.

Die auf diese Art aufgenommenen Bilddaten werden dann mit Hilfe einer speziellen Software zu einem Bild zusammengesetzt. Der große Vorteil besteht dabei in der Möglichkeit, aus den Informationen des Lichtfelds nach der Aufnahme verschiedene Bilder zu erschaffen, zum Beispiel mit verschiedenen Schärfepunkten.

Lesen Sie mehr über die Funktionsweise hier: Wie funktioniert eine Lichtfeldkamera?

Wie sieht die Lichtfeldkamera im Inneren aus?

Lichtfeldkamera Inneres

Diese Abbildung zeigt, wie die Lichtfeldkamera im Inneren aussieht und funktioniert. Im linken Bereich erkennt man das komplexe Linsensystem. Es handelt sich um ein f/2 Objektiv, also ein sehr lichtstarkes Objektiv. Das bedeutet, das schon geringe Mengen an Licht ausreichen, um ein unverwackeltes Bild zu machen. Deshalb kommt die Lytro Lichtfeldkamera wohl hoffentlich auch ohne Blitz aus.

Der Lichtfeld-Sensor befindet sich hinter der letzten Linse – von links gesehen. Er weist eine Kapazität von 11 Millionen Lichtstrahlen aus.

Ganz rechts befindet sich der Chip, der die Daten verarbeitet und speichert. Lytro bezeichnet ihn als Light Field Engine 1.0.

Was sind die Nachteile der Lytro Lichtfeldkamera?

Um das Lichtfeld aufnehmen zu können, werden in einer Lichtfeldkamera komplexe Systeme aus Mikrolinsen eingesetzt, was die Herstellungskosten deutlich nach oben treibt. Eine weitere Herausforderung wird an die Anzahl der Pixel auf dem Bildsensor gestellt. Um das Lichtfeld abbilden zu können, muss eine große Anzahl von Pixel verfügbar sein. Allerdings kann die Anzahl dieser Pixel nicht 1:1 mit dem Bildsensor einer konventionellen Kamera verglichen werden, da die Software-Algorithmen nicht alle Bildpunkte für ein spezifisches Bild benutzen können.

Die Auflösung der Lichtfeldkamera liegt deshalb deutlich unter den Werten aktueller Digitalkameras. Im Moment bietet sie nur 1,2 Megapixel Auflösung. Das ist deutlich weniger als das iPhone 4, das 5 MP bietet. Selbst günstige kompakte Digitalkameras haben heute etwa 10 Megapixel.

Damit eignet sich die Lytro Lichtfeldkamera nicht für professionelle Fotografen, sondern ist mehr eine Fun-Kamera mit vollkommen neuartigen kreativen Möglichkeiten.

Wieviel kostet eine Lytro Lichtfeldkamera?

Die US Preise sind seit einiger Zeit bekannt. Je nach Speicherkapazität liegen die Preise zwischen $399 und $499. Lytro hat noch keine Angaben gemacht, zu welchem Preis die Kameras in Deutschland angeboten werden sollen.

Doch in der Branche ist es meistens üblich, die US-Preise 1:1 in Euro umzurechnen. Damit darf man also 399 Euro bzw. 499 Euro für das Modell mit der großen Speicherkapazität erwarten. Übrigens, diese Art der Umrechnung ist ziemlich fair, da man in den USA keine 19% MWSt. bezahlen muss.

Wo kann man die Lichtfeldkamera kaufen?

Lytro hat eine sehr interessante Strategie zum Vertrieb der Lichtfeldkamera. Bisher kann man diese Kamera selbst in den USA nur auf der Website von Lytro kaufen. Dies ist etwas ungewöhnlich, da gerade bei einem neuen Produkt die meisten Interessenten sich dieses doch erst einmal im Laden anschauen wollen.

Bislang muss Lytro allerdings mit dieser Strategie ziemlich gut gefahren sein. Denn bei der Auslieferung der ersten Kameras kam es immer wieder zu Verzögerungen. Zuerst war die Kamera auf Herbst 2011, dann zum Jahresende 2011 und schließlich auf Februar 2012 angekündigt worden.

Große Handelsketten wie Best Buy in den USA haben für solche Verzögerungen natürlich nicht viel Geduld. Deshalb hat Lytro sich wohl schon etwas bei dieser Art des Vertriebs gedacht. Natürlich kommen auch finanzielle Erwägungen ins Spiel. Beim direkten Verkauf an den Endkunden kann der Hersteller die Marge für den Handel einsparen.

Man darf gespannt sein, wie Lytro den Massenmarkt erobern will. Nur über die eigene Website zu verkaufen dürfte für ein kleines Unternehmen mit begrenztem Werbebudget nicht einfach sein! Deshalb wird die Kamea früher oder später auch durch andere Vertriebskanäle wie Elektronikmärkte oder große Online-Händler mit großer Sicherheit erhältlich sein.

Wann kann man die Lichtfeldkamera in Deutschland kaufen?

Das ist bislang noch nicht bekannt. Lytro verkauft die Lichtfeldkamera im Moment nur in den USA. Dort konnte man seit Oktober 2011 sich eine Kamera reservieren. Die ersten Kameras wurden dann Ende Februar 2012 an die Kunden ausgeliefert.

Im Moment ist laut Lytro die Nachfrage so groß, dass nicht ausreichende Stückzahlen für den amerikanischen Markt produziert werden können. Von daher dürfte es sicher noch einige Zeit dauern, bis dieses neuartige Produkt in Deutschland auf den Markt kommt.

Besuchen Sie uns einfach mal wieder und erfahren Sie so als einer der ersten, sobald es endlich so weit ist!

Gibt es schon Tests und Erfahrungsberichte?

Die große Unbekannte in diesem Zusammenhang ist die Qualität der Bilder, die diese unter Umständen revolutionäre Kamera liefern wird. Die bislang von Lytro veröffentlichten Bilder lassen zwar sehr gut erkennen, wie man die Schärfepunkte in einem Foto verändern kann, doch bisher gibt es noch keinerlei Fotos in voller Größe. Es bleibt zu hoffen, dass die Lytro Lichtfeldkamera wirklich den hohen Erwartungen gerecht werden kann. Sobald die ersten Kameras an Kunden in den USA ausgeliefert werden, werden wir eine Kamera ausführlich testen und unseren Lytro Lichtfeldkamera Test kontinuierlich updaten.

Kann eine Lichtfeldkamera eine Spiegelreflexkamera ersetzen?

Im Moment ist diese Frage noch klar zu verneinen. Auf der einen Seite bietet die Lichtfeldkamera durch die Möglichkeit der nachträglichen Fokusveränderung einen gewichtigen Vorteil gegenüber einer Spiegelreflexkamera. Doch der große Nachteil besteht in der noch viel zu geringen Auflösung.

Aktuell kann die Lichtfeldkamera nur Bilder in der Größe 1.080 x 1.080 Pixel ausgeben. Dies entspricht etwa 1.2 Megapixel. Diese Auflösung wurde von den Digitalkameras der ersten Generation geboten, doch sie liegt weit hinter den heute für eine Spiegelreflexkamera üblichen 10 bis 24 Megapixel zurück.

Der technische Fortschritt dürfte jedoch diesen Nachteil der Lichtfeldkamera schnell beheben. Jedes Jahr werden die Bildsensoren besser und kleiner. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis eine Lichtfeldkamera eine Spiegelreflexkamera ersetzen kann.

Weitere Informationen

Lytro: www.lytro.com

dpreview.com: http://www.dpreview.com/reviews/Lytro/

SPIEGEL: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,792896,00.html

Die erste Lichtfeldkamera ist nun erhältlich. Doch in der Zukunft darf man von dieser revolutionären Technologie sicherlich noch viel erwarten. Besuchen Sie unsere Webseite von Zeit zu Zeit!

Das Team von Lichtfeldkamera Test